Rezension

Buchautorin, Journalistin & Rundfunkmoderatorin

Rezesionen

zum Gedichtband "Goldmeer" von Eila Kratz

von Helga Rost

 

"Landlos, erdlos, sprachlos" - so fühlte sich die Autorin, als sie "der Liebe wegen" ihr Heimatland verlassen hatte. Die Retrospektive auf den wohl schmerzhaftesten Punkt ihres Lebens komprimiert sich am deutlichsten in ihrem Gedicht "Mein Land" (S.39ff).

Sie hatte für sich selber alles verloren, was bisher die Persönlichkeit und Eigenständigkeit ihres jungen Lebens ausgemacht hatte.

Eila Kratz wurde in Finnland geboren, im Land der tausend Seen, das in seiner dunklen Schönheit, Schwermut und Wildheit, aber auch in seiner Unschuld den finnischen Komponisten Jean Sibelius zu seinem romantisch verklärten sinfonischen Werk "Finlandia" inspirierte.

Wie ein roter Faden durchzieht auch die Sehnsucht der Autorin nach den Bergen, den Wäldern und Mooren ihres Vaterlandes die Gedichte.

Voller Zärtlichkeit denkt sie an ihren Heimatort ("Sommerabend in Suomusjärvi" (S.45); sie will das leuchtende Glühwürmchen, ein Synonym für das gefährdete Leben, im dunklen Wald beschützen und ins warme Haus holen, erkennt  jedoch die Ausweglosigkeit ihres Vorhabens, denn das Tier würde im künstlichen Licht verbrennen, entrisse man es dem natürlichen Umfeld.

Unwillkürlich fragt sich der Leser, ob sich der drastische Ortswechsel gelohnt hat.

Und die Autorin gibt die Antwort im letzten Drittel des Gedichts "Mein Land": Die Kräfte beider Länder haben sich in ihr vereint: "aus Sprachkrumen (wurde) Brot", das sie sättigte und wachsen ließ, so dass es ihr sogar gelingt, sich sensibel und treffend in einer fremden Spache auszudrücken.....

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